FERDA International

FERDA International entstand im Jahr 2007. Kurz davor hatte das Familienforum Reutlingen überprüft, welche Zielgruppen die Bildungsträger und Beratungseinrichtungen erreichten. Als Antwort auf diese Analyse wurden sogenannte Elternschulen ins Leben gerufen, in denen sich Eltern in ihren Muttersprachen (zunächst auf Türkisch und Russisch) über die Belange ihrer Kinder weiterbilden konnten.

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Internationale Begegnungen für vielfältige Frauen
Schnell wurde deutlich, dass vor allem Frauen die Angebote annahmen und dass sie mehr wollten. „Immer mehr Frauen haben gesagt: Es reicht mit den Erziehungsthemen, wir wollen etwas für uns machen“, erklärt die Leiterin Susanne Stutzmann. Die Frauen wünschten sich internationale Begegnungen, sie wollten sich austauschen und gemeinsam lernen. Und so wurde über die Jahre beispielsweise ein offener Sprachtreff eingeführt, eine Nähwerkstatt und Kochtreffen mit Familien. Auch internationale Feste werden gemeinsam gefeiert und in offenen Treffs alle möglichen Themen diskutiert, die für die Frauen relevant sind. Da kann es um politische Beteiligung, Religion oder auch Armut und Nachhaltigkeit gehen.

Die berufliche Qualifizierung, der Zugang zum Arbeitsmarkt oder weitere Qualifizierungen sind außerdem beliebte Themen. Alle Angebote finden in den Räumen der Bildungskooperationspartner von FERDA International in Reutlingen statt: in der Volkshochschule, im Haus der Familie, bei der Evangelischen Bildung und der Katholischen Erwachsenenbildung. So nimmt FERDA International eine wichtige Brückenfunktion zwischen den Menschen und den etablierten Einrichtungen der Stadt ein.

Barrierenabbau in bewegten Zeiten
Das Thema Beratung ist mittlerweile in den Hintergrund gerückt. Seit einiger Zeit berät Susanne Stutzmann nur noch zwischen Tür und Angel und verweist auf die verschiedenen Beratungsstellen der Stadt und des Landkreises. In erster Linie geht es FERDA International nun um die Begegnung der unterschiedlichen Menschen und ums Ankommen in den Bildungs- und Kultureinrichtungen.

Die Pandemiejahre waren nicht einfach für FERDA International. Viele Angebote mussten pausiert werden und werden nun mühsam wieder aufgebaut oder komplett verworfen. „Die Zeiten haben sich geändert“, weiß Susanne Stutzmann. Die Frauen haben neben Familien- und Berufsleben oft keine Zeit für die offene Treffs. Andererseits kommen immer wieder Frauen aus dem Kontext von FERDA International auf Susanne Stutzmann zu und wollen eigene Aktivitäten anbieten. Sportangebote für verschleierte Frauen werden beispielsweise besonders gut angenommen.

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Der FERDA-Bildungspass
Ein Erfolgsmodell ist der FERDA-Bildungspass. Für 30€ können Menschen, die einen Bezug zu FERDA International haben, alle Angebote annehmen und darüber hinaus bis zu zwei Veranstaltungen oder Kurse pro Halbjahr aus dem gesamten Programm der Kooperationspartner mit 75% Ermäßigung besuchen. Der Pass wird sehr gut angenommen, was deutlich macht: Das Konzept von FERDA International geht auf. Zugangsbarrieren werden abgebaut, wenn Menschen persönlich angesprochen werden und sich willkommen fühlen.

Autorin:
Maria Tramountani (sie/ihr)
Interkulturalität und Integration (M.A.)
Autorin | Systemische Beraterin | Trainerin

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